It knocked him silly but also informed him that he'd made the right choice

 

 


 

 

Keine Delikatessen

 

Nichts mehr gefällt mir.

 

Soll ich
eine Metapher ausstaffieren
mit einer Mandelblüte?
die Syntax kreuzigen
auf einer Lichteffekt?
Wer wird sich den Schädel zerbrechen
über so überflüssige Dinge -

 

 

Ich habe im Einsehn gelernt
met den Worten,
die da sind
(für die unterste Klasse)

 

Hunger
Schande
Tränen
und
Finsternis.
Mit dem ungereinigten Schluchzen,
mit der Verzweiflung
(und ich verzweifle noch vor Verzweiflung)
über das viele Elend,
den Krankenstand, die Lebenskosten,
werde ich auskommen.

 

Ich vernachlässige nicht die Schrift,
sondern mich.
Die andern wissen sich
weißgott
mit den Worten zu helfen.
Ich bin nicht mein Assistent.

 

Soll ich
einem Gedanken gefängennehmen,
abführen in eine erleuchtete Satzzelle?
Aug und ohr verköstigen
mit Worthappen erster Güte?
erforschen die Libido eines Vokals,
ermitteln die Liebhaberwerte unserer Konsonanten?

 

Muß ich
mit dem verhagelten Kopf,
mit dem Schreibkrampf in dieser Hand,
unter dreihundertnächtigen Druck
einreißen das Papier,
wegfegen die angezettelten Wortopern,
vernichtend so: ich du und er sie es

 

wie ihr?

 

(Soll doch. Sollen die andern.)
Mein teil, es soll verloren gehen.

 

(Ingeborg Bachmann)

 

 

 

"Die affektfreie Neutralität wird
als ein Fortschritt gepriesen von denen, die Identifikationen fürchten, weil aus
ihnen Veränderungen kommen. Die grössten und perfekteten Mörder in
unserem Jahrhundert sind nicht emotional reichbegabte und leidenschaftliche
Menschen gewesen, sondern affektarme Bürokraten, die emotionsfrei Befehle
ausführten. Sie waren ohne Hass beim ausfüllen der Listen, beim Selektieren,
beim Öffnen der Gasluken. Sie konnten sich nicht identifizieren."

 

(Dorothee Sölle)

 

 

 

 


 

 

It knocked him silly but also informed him that he'd made the right choice

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